Finanzkrisen: Eine allgemeine Definition
Finanzkrisen bezeichnen Phasen, in denen durch einen Rückgang der Vermögenswerte die Zahlungsfähigkeit von Unternehmen oder Staaten derart drastisch beeinträchtigt wird, dass die ökonomische Aktivität des betreffendes Landes nachhaltig geschädigt wird. Durch die Globalisierung und die weltweit vernetzten Finanzmärkte springen Finanzkrisen in der Regel von einem Land auf andere Länder über. Nationale Finanzkrisen sind deshalb selten geworden. Meist sind sie international. Finanzkrisen werden wegen ihrer Ansteckungsgefahr gefürchtet.
Finanzkrisen: Die Angst vor der Ansteckungsgefahr
An der internationalen Finanzkrise der Jahre 2008 und 2009 kann man lehrbuchartig den typischen Verlauf einer Finanzkrise nachverfolgen, weshalb die Gesellschaft für deutsche Sprache die Finanzkrise auch zum „Wort des Jahres 2008“ kürte. Alles begann auf dem nordamerikanischen Immobilienmarkt, wo Papiere zwischen den Banken gehandelt wurden, die längst nicht den Wert hatten, den die Finanzinstitute damals in diesen vermuteten. Irgendwann war der Rückgang dieser Vermögenswerte unübersehbar. Tatsächlich waren die inzwischen als „Giftpapiere“ getauften Anlagen praktisch wertlos. Die weltgrößte Investmentbank Lehmann Brothers musste in der Folge Konkurs anmelden, woraus eine dramatisch Kettenreaktion entstand. Banken, die Lehmann große Summen geliehen hatten oder ebenfalls die „Giftpapiere“ hielten, gerieten wirtschaftlich ins Trudeln. Die Banken hörten sofort auf, sich untereinander Darlehen zu geben. Zu diesem Zeitpunkt war die Finanzkrise längst international und jetzt folgte die gefürchtete Ansteckung. Die Finanzinstitute hörten ebenfalls auf, der Realwirtschaft Darlehen zu geben, die deshalb Investitionen verschieben musste oder Schulden nicht zahlen konnte. Aus der Finanzkrise erwuchs eine Wirtschaftskrise. Dieses ist typisch: Finanzkrisen sind fast immer Krisen der Realwirtschaft vorgeschaltet, weil die Banken als Finanzierer ausscheiden.
Das Ende von Finanzkrisen
Am Ende einer Finanzkrise steht eine Rekapitalisierung der Banken. In der Theorie muss diese durch den Markt selbst erfolgen. Die Finanzinstitute trennen sich von de schädlichen Anlagen. Die zu schwachen Banken melden Konkurs an, während sich die stärkeren Häuser konsolidieren. Die Rekapitalisierung kann jedoch auch durch die Realwirtschaft erfolgen. Die dortigen Unternehmen erholen sich, bezahlen Darlehen zurück oder beginnen damit, wieder Investments in Finanzprodukte zu tätigen. Faktisch entschied sich die Weltpolitik in den letzten drei Jahren, ein künstliches Ende der Finanzkrisen herbeizuführen. Der Staat sorgte dadurch, dass er die schädlichen Papiere aufkaufte und die Realwirtschaft über Konjunkturprogramme stützte, selbst für eine Rekapitalisierung der Banken. Allerdings vertreten nicht wenige Experten die Ansicht, dass mit diesem künstlichen Eingriff bereits die Grundlage für eine neuerliche Finanzkrise gelegt wurde, da die Staaten ihre eigene Kreditwürdigkeit auf diese Weise drastisch geschwächt haben, was zu einer Abwertung der Staatsanleihen der betreffenden Länder führte, was dem Rückgang von Vermögenswerten gleichkommt, der am Anfang der Krise steht.
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